Ayurvedische Hausapotheke

 Wie überall auf der Welt gibt es auch in Indien eine Fülle von home remedys, Hausmitteln die im häuslichen Bereich Anwendung finden. Wie ich während meiner Reisen in Indien immer wieder festgestellt habe, werden bei leichten körperlichen Beschwerden oder psychischen Belastungen häufig Hausmittel angewandt. Zum Teil, weil viele Menschen das Geld für einen Arztbesuch nicht aufbringen können, aber auch weil sie sehr viel Vertrauen in ihre Volksmedizin haben. Viele Familien haben seit Jahrhunderten ganz spezielle Rezepte aus der eigenen Familientradition. Das Wissen über die Wirkung von Gewürzen und Kräutern und deren traditionelle Anwendung bringt häufig rasche Linderung oder Heilung.

 So wie auch in Europa vieles, was im häuslichen Bereich zur Behandlung verschiedenster Erkrankungen aus der Volksheilkunde stammt, so haben in Indien viele Hausmittel ihren Ursprung im Ayurveda, auch wenn den Menschen der Ursprung ihres Wissens nicht immer bekannt ist. Sicher haben im Laufe der Jahrtausende auch hier Vermischungen stattgefunden, so dass der Ursprung nicht immer genau zu bestimmen ist. Vieles stammt aus dem Ayurveda anderes wiederum aus der traditionellen indischen Sidda oder Unani Medizin.

 Zum besseren Verständnis ayurvedischer Behandlungsmethoden möchte ich das Dosha – Prinzip (Wirkungsprinzipien) der ayurvedischen Lehre kurz erklären. Die Doshas Vata, Pitta und Kapha sorgen für Qualität und Quantität der physiologischen Abläufe im Körper und gestalten die individuelle Konstitution eines Menschen. Wird das Gleichgewicht der Doshas durch eine nicht der Konstitution entsprechenden Lebensweise oder Ernährung gestört, führt dieses Ungleichgewicht zu unterschiedlichsten Erkrankungen. Das Wort Dosha bedeutet deshalb auch Verderber. In den beiden folgenden Tabellen sind diiewichtigsten Eigenschaften und Funktionen der Doshas aufgezählt

 

Eigenschaften der Doshas

 

Vata

Pitta

Kapha

trocken

ölig

schwer

leicht

durchdringend

langsam

kalt

heiß

kalt

rauh

leicht

ölig

beweglich

flüssig

schleimig

 

Funktionen der Doshas

 

Vata

Pitta

Kapha

Bewegung

Körperwärme

Stabilität

Atmung

Verdauung

Energie

Sekretionen

Wahrnehmung

Geschmeidigkeit

Ausscheidungen

Verständnis

Schmierung

 

Die Beteiligung der Doshas an Störungen und Krankheiten lässt sich besonders gut am Beispiel Obstipation erklären. Vata ist als Bewegungsprinzip auch für die Ausscheidungen wie Stuhlgang verantwortlich. Der Entstehungsort von Vata ist der Dickdarm. Durch eine Vermehrung von Vata am Entstehungsort,verändern die Vata-Eigenschaften trocken, rauh und kalt (siehe oben) die Stuhlkonsistenz. Der Stuhl wird fester und trockener und auch die Darmschleimhaut wird zunehmend trocken und rauh wodurch die Defäkation erschwert wird. Befeuchtende und schmierende Nahrungsmittel und Therapeutika haben eine ausgleichende Wirkung und regen die Darmperistaltik an.

 

 Hausmittel für Verdauungsprobleme

 

Obstipation:

 Ist eine weitverbreiteet Störung. Menschen mit einer Vata dominanten Konstitution oder einer Vermehrung von Vata neigen häufig dazu.

 Vermeiden sie getrocknete Früchte (wenn ja aber über Nacht einweichen), kalte, trockene Speisen und Getränke, Rohkost und Hülsenfrüchten. Bevorzugen sie warme gekochte Speisen mit etwas Öl und warme Getränke.

Achten sie auf ausreichend Flüssigkeitszufuhr.

 2 Tl. Flohsamenschalen in einem Glas warmen Wasser ca.1 Std. vor dem Schlafengehen befeuchtet den Darm und regt die Peristaltik an.

1 Tasse heiße Milch mit 2 Tl. Ghee vor dem Schlafengehen lindert Verstopfung.

1 El. Leinsamen in einer Tasse Wasser ca. 3 Min. gekocht und nach dem Abkühlen auf Trinktemperatur getrunken beseitigt Verstopfung ebenfalls.

 Mehrtägige Anwendung dieser Rezepte ist notwendig.

 Bitte keine Abführmittel verwenden, schon gar nich,t wenn sie mehr als 3 Tage keinen Stuhlgang hatten, sondern lassen sie das diagnostisch abklären.

 

Blähungen:

 Sind meist eine Vata-Störung. Vermeiden sie deshalb trockene, blähende Nahrung wie z.B. verschiedene Kohlsorten, Lauch und Paprika, aber auch kohlensäurehaltige Getränke. Ebenso sollten Sie auf Produkte mit raffiniertem Zucker und Weißmehl verzichten.

 Trinken Sie viel warmes Wasser oder auch Milch (falls sie diese vertragen). Verwenden sie Kreuzkümmel, Asa foetida (Stinkasant oder Teufelsdreck sind Synonyme), Ingwer, Gewürznelken, Koriander, Fenchelsamen und Kardamom als Gewürze.

 1 Tl. geriebener Ingwer mit einem Tl. frischem Zitronensaft nach dem Essen lindert die Beschwerden.

 Besonders lecker ist die Mischung aus gerösteten Cumin-, Fenchel- und indischen Selleriesamen (Ajowan) mit einer Prise Steinsalz. Ein Tl. nach der Mahlzeit hilft Blähungen zu vermeiden.

 

Sodbrennen:

Ist aus ayurvedischer Sicht in erster Linie ein Pitta-Problem. Daher sollten saure, scharfe, erhitzende und frittierte Speisen vermieden werden. Ebenso sollte auf Yoghurt und Fleisch verzichtet werden. Stress ist häufig beteiligt und sollte reduziert werden.

2-3x tgl. ca.4 g Amla Pulver mit etwas Rohzucker und warmen Wasser oder 2x tgl. 2-3 g Avipattika-Churna mit warmen Wasser nach der Mahlzeit sind sehr hilfreich.

Shatavari Grtham (mediziniertes Ghee) 2x tgl. 10-20 g eingenommen lindert die Beschwerden schnell. Das Ghee und die Pulver sind im Handel zu beziehen.

Ein Glas frischer Papayasaft mit einem Tl. Rohzucker und 2 Prisen Kardamom lindern die Übersäuerung.

 

 Durchfall:

Kann sehr unterschiedliche Ursachen haben. Es kann sich um eine Infektion, um unverträgliche Nahrungsmittelkombination, Verdauungsstörungen, aber auch um ein stressbedingtes Symptom handeln, um nur einige zu nennen. Tritt der Durchfall nach einer Reise in ein asiatisches oder afrikanisches Land auf bitte umgehend einen Arzt aufsuchen, da es sich um eine ernsthafte Infektion handeln kann. Ansonsten können folgende Rezepte hilfreich sein:

Apfelmus aus 1-2 Äpfeln mit 1 Tl. Ghee und je einer Prise Kardamom und Muskat vermischt stoppt Durchfall recht zügig.

Bei hartnäckigem Durchfall hat sich folgendes Rezept bewährt:

1 Tasse Basmatireis gekocht mit 1 El. Ghee und 3-4 El. Yoghurt vermischt ist von großer Wirksamkeit. Hilft wirklich gut!

 

Hausmittel für Erkältungskrankheiten

Erkältungen sind in der Regel gut mit einfachen Mitteln zu lindern. Vermeiden sie alles, was Kapha-Dosha vermehrt, z.B. kalte Getränke, Speiseeis, Reis und Milchprodukte. Übermäßiger Genuss eben dieser Nahrungsmittel ist auch häufig die Ursache einer Erkältung

 

Schnupfen:

 kennen wir alle, lästig aber in der Regel ungefährlich. Etwas Ghee in die Nasenlöcher getan hält die Schleimhäute geschmeidig.

 3x tägl. einen Tee aus 2 Teilen frischen Ingwer, 3 Teilen Zimt und 2 Teilen Kardamom trinken. Ca. 12 Min ziehen lassen und nach dem Abkühlen auf Trinktemperatur mit etwas Honig süßen.

 Ein weiteres Rezept ist 1 Teil Ingwer mit 1 Teil Zimt und 2 Teilen Zitronengras mit Honig gesüßt.

 

Husten/Bronchitis:

Bei einem trockenen Husten können sie 1 Tl. Honig mit 2 Prisen gemahlenem schwarzen Pfeffer mehrfach tgl. zu sich nehmen.

 

1 Tasse Milch mit einem halben Tl. Kurkuma und einem viertel Tl. Ingwer lindert den trockenen Husten. Am besten abends trinken.

Husten mit Auswurf:

 erfordert etwas andere Maßnahmen. 1 Tl. Honig mit je einem halben Tl. gemahlenen Ingwerpulver und Senfkörnern mehrmals tgl. eingenommen bis der Husten verschwindet.

Ein Tee aus einem halben Tl. Ingwerpulver einer Prise Nelke und Zimt lindert diesen Husten ebenfalls.

Ist der Auswurf gelblich/grünlich liegt eine Pitta-Beteiligung (Sekundärinfektion) vor. In diesem Fall können sie 3-4x tgl. einen viertel Tl. einer Mischung aus Sitopalladi und Maha-Sudarshan mit heißem Wasser zu sich nehmen. Diese Pulver sind von verschiedenen Firmen, die ayurvedische Produkte vertreiben zu beziehen.

Wie oben bereits erwähnt sollten sie sich, falls keine Besserung eintritt nach spätestens 2 Wochen in heilpraktische oder ärztliche Behandlung begeben.

 

Nebenhöhlenentzündungen:

sind häufige Begleiterscheinungen bei Erkältungskrankheiten. Meiden sie alles was Kapha vermehrt, wie schon oben erwähnt. Eine sehr wirkungsvolle Methode ist ein Kräuterdampfbad mit 10 Tropfen der Mischung von 5 Teilen Eukalyptusöl, 5 Teilen Ingweröl, 2 Teilen Anisöl und 1 Teil Lavendelöl in kochendem Wasser als Dampfbad über die Nase 1-2x tgl. inhaliert.

Sie können aber auch einfach mit einer Salzlösung mit Hilfe einer Nasendusche die Nase durchspülen. Ein halber Tl. Salz auf eine halbe Tasse Wasser ist in der Regel eine gute Mischung. Diese Behandlung erst ab dem 7. Lebensjahr anwenden.

1 Tl. Honig mit frisch geriebener Ingwer 2-3 tgl. hilft ebenfalls sehr gut. Chronische oder häufig rezidivierende Nebenhöhlenentzündungen müssen vom Heilpraktiker oder Arzt behandelt werden.

 

Behandlung kleiner Wunden und Verbrennungen:

 

Kleine Wunden lassen sich wunderbar mit einer Mischung aus Honig und Kurkuma behandeln. Mischen sie flüssigen Honig mit Kurkuma-Pulver zu einer streichfähigen Paste und tragen diese auf die Wunde auf. Sie werden sich wundern wie schnell die Wunde heilt.

 Kleinflächige Verbrennungen 1 bis 2 Grades (2a Blasenbildung) lassen sich nach dem sofortigem Kühlen mit kaltem Wasser durch Auftragen von Ghee oder mit Lavendelöl vorzüglich lindern. Blasen nicht aufstechen, das erhöht die Infektionsgefahr.

 

Kopfschmerzen

können sehr viele Ursachen haben. Ich kann hier nur ein paar mögliche Ursachen die Ihnen sicher bekannt sind ansprechen.

Probleme mit den Augen sind eine Sache für den Augenarzt, Schmerzen die von der Halswirbelsäule ausgehen sollten z..B. vom Osteopathen behandelt werden.

Anhaltende Kopfschmerzen nach Unfällen müssen auf jeden Fall umgehend ärztlich untersucht werden.

 

Spannungskopfschmerz:

entsteht meist durch Stress oder langes Sitzen oder falsches Liegen in einer angespannten Haltung (z.B. vor dem PC). Dieser Kopfschmerz, durch Vata verursacht, zieht häufig vom Hinterkopf, Nacken und Schultergürtel zur Stirn und kann durch Massage mit Öl gelindert werden. Feuchte Wärme, z,B. ein Wickel mit warmen Sesamöl, lindert die Schmerzen ebenso. Ein Einlauf mit 50-70 ml Sesamöl in den Dickdarm kann ebenso den Kopfschmerz durch die Reduzierung von Vata beseitigen.

 

Kopfschmerz im Schläfenbereich

und mittleren Kopfbereich mit oder ohne Druck hinter den Augen kann als Ursache eine Pitta-Vermehrung haben. Dies kann z.B. durch zu scharfe Speisen, zu starke Sonneneinwirkung und zu hellem Licht entstehen.

2 El Aleo Vera Gel 3x tgl. reduziert Pitta und vermindert oder beseitigt die Schmerzen.

Eine Paste aus Sandelholzpulver und Wasser bringt Kühle in den Kopf ebenso wie 2 Tropfen Ghee in jedes Nasenloch.

Süsse Früchte reduzieren Pitta ebenfalls und auch ein Tee aus Cumin und Koriander im Verhältnis 1:1 auf 1 Tasse kochendes Wasser nach dem Abkühlen lauwarm oder kühl trinken.

 

Kopfschmerz im Stirnbereich der hauptsächlich morgens und abends auftritt lässt sich auf vermehrtes Kapha-Dosha im Kopfbereich zurückführen. Behandeln lässt sich diese Art von Kopfschmerzen in der gleichen Weise wie unter Nebenhöhlenentzündungen erwähnt.

 Kopfschmerzen die ständig wiederkommen oder sich auf die genannten Weisen nicht beeinflussen lassen sollten unbedingt vom Fachmann abgeklärt werden.

 

Schlafstörungen

sind weit verbreitet und können falls sie dauerhaft auftreten, von einer Verschlechterung der Lebensqualität bis hin zu gesundheitlichen Schäden führen. Die Ursache für Schlafstörungen können sehr vielfältig sein, von einer schlechten Schlafstätte bis zu psychischen Problemen. Ein paar einfache Mittel um den Schlaf zu fördern sind:

Massieren sie ihre Füße und die Kopfhaut mit warmen Sesamöl vor dem Schlafengehen.

Machen sie eine Spaziergang am Abend an der frischen Luft und verzichten sie aufs Fernsehen.

Trinken sie eine Tasse Tomatensaft mit 2 Tl. Rohzucker und einer Prise Muskat am späten Nachmittag.

Warme Milch mit je einer Prise Muskat und Kardamom und ein paar feingehackte Mandeln fördert einen guten Schlaf.

Gute und wohlwollende Gedanken und ein gedanklicher Tagesrücklauf vom Moment des Zubettgehens bis zum Aufstehen (beschäftigen sie sich gedanklich nicht mit einzelnen Situationen und Geschehnissen sondern lassen sie einfach vor ihrem geistigen Auge vorüberziehen) fördern einen erholsamen Schlaf.

 

Nasenbluten

hat meist eine harmlose Ursache. Sollte Nasenbluten häufiger oder langfristig auftreten, sollte es diagnostisch vom Heilpraktiker oder Arzt abgeklärt werden Was auch die Ursache sein mag, schnell helfende Maßnahmen sind erforderlich im akuten Fall. Feuchte kalte Wickel im Nacken sind wohl bekannt. Auch das Hochziehen von kaltem Wasser in die Nase kann die Blutung stillen. Hartnäckige Blutungen können mit Hilfe von Wattebäuschchen die in lauwarmes Ghee getaucht wurden und anschließend in die Nase eingeführt wurden rasch gestillt werden. Frischer Granatapfelsaft in die Nase geträufelt wirkt ebenso rasch blutstillend.

 

Insektenstiche

werden wir wohl auch im kommenden Sommer nicht völlig vermeiden können. Hier ein paar wertvolle Tipps zur Vermeidung und Behandlung. Mit Ausnahme von Zeckenbissen (können Borreliose oder Meningitis übertragen) sind Insektenstiche oder Bisse in der Regel harmlos, solange keine allergischen Reaktionen zu befürchten sind. Übertragung von Malaria ist in Europa eher selten. Zur Vermeidung von Insektenstichen eignen sich Neemprodukte sehr gut. Auf der Terrasse können sie mit Neemblättern räuchern, um Insekten fernzuhalten. Das Auftragen von Neemöl auf nicht bedeckte Körperteile hält ebenso Insekten fern, riecht aber nicht so angenehm. Sollten sie trotzdem gestochen werden, können ebenso Neemöl auf die Bissstelle auftragen als auch eine Paste aus Neempulver und Wasser. Ebenso gut zum Stillen von Juckreiz und Brennen wie auch zur Reduzierung der Schwellung eignet sich frischer Koriander. Quetschen sie eine Handvoll Blätter im Mörser, trinken sie den Saft und legen die ausgequetschten Blätter auf die Bissstelle.

 

Verantwortungsvoll angewandt ersparen diese Hausmittel manchen Arztbesuch. Die oben beschriebenen Hausrezepte sind unbedenklich anzuwenden und haben bei richtiger Dosierung und Verabreichung kaum Nebenwirkungen. Bei Kindern ist je nach Alter die Dosierung und Häufigkeit der Verabreichung dem Alter anzupassen

 

Für Leser die nicht in einem medizinischen Beruf tätig sind, möchte ich unbedingt darauf hinweisen, dass bei länger andauernden Beschwerden immer ein Heilpraktiker oder Arzt konsultiert werden sollte.